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Presse
| 20.10.2008, 13:50 Uhr | Berliner Zeitung/ Stefan Strauss
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Erst fallen die Bäume, dann wird das Pflaster aufgerissen
Anwohner zahlen für den Umbau der Pasewalker Straße
FRANZÖSISCH-BUCHHOLZ. Wo jahrzehntelang große Linden die Pasewalker Straße säumten, sind jetzt nur noch ihre Stümpfe zu sehen. 56 Bäume haben Bauarbeiter in den vergangenen Tagen im Auftrag des Bezirksamtes Pankow gefällt. Die meisten waren gesund und gut gewachsen, manche hatten einen Stammdurchmesser von einem Meter. Viele Bewohner ärgern sich darüber. "Die Bäume hatten immer noch einen gewissen Ausgleich geschaffen bei der enormen Verkehrsbelastung auf dieser Straße", sagt Andrea Weber, die direkt an der Pasewalker Straße wohnt. Rund 25 000 Autos passieren täglich die stark befahrene Hauptverkehrsstraße in Autobahnnähe. "Die Baumfällungen sind ein Trauerspiel", sagt Andrea Weber, die Stimmung unter den Anwohnern sei "explosiv".
Denn die Baumfällungen sind erst der Anfang. Die Bewohner müssen sich in den kommenden zwei Jahren auf Baulärm und Straßensperrungen einrichten. Auf einem 1,3 Kilometer langen Abschnitt zwischen Autobahnanschluss und Eweststraße wird die Straße komplett erneuert. Fahrbahn und Gehwege werden saniert, neue Abbiegespuren werden eingerichtet, Radwege und Parkplätze angelegt, die Straßenbeleuchtung modernisiert. Gleichzeitig wechseln die Berliner Wasserbetriebe das Trinkwasserleitungsnetz.
Einen Großteil der Baukosten in Höhe von etwa 4,8 Millionen Euro holt sich das Bezirksamt Pankow von den Anwohnern zurück. 440 Grundstückseigentümer und Besitzer von Eigentumswohnungen müssen Beträge von bis zu 143 000 Euro zahlen. So legt es das Straßenausbaubeitragsgesetz fest, dass in Berlin seit 2006 gilt. 3 800 Euro soll Andrea Weber zahlen. "Das drückt man nicht so einfach ab", sagt sie.
Die Fällungen der Bäume muss ausgerechnet ein Stadtrat der Grünen verantworten. Jens-Holger Kirchner ist in Pankow für das Tiefbauamt zuständig. Dort wird der Umbau der Straße koordiniert. Kirchner sagt, es sei "schmerzlich" dass sogar gesunde Bäume gefällt wurden. Doch in den Plänen für die Verbreiterung der Pasewalker Straße gab es für sie keine Chance. "Die Straße muss saniert werden nach dem Standard des 21. Jahrhunderts", sagt der Stadtrat. Jahrzehntelang wurde die Fahrbahn lediglich notdürftig repariert, an einigen Stellen gilt wegen des schlechten Zustands Tempo 30.
An der Pasewalker Straße sollen 150 neue Bäume gepflanzt werden. Für Andrea Weber ist das nur ein schwacher Trost. "Bis die Bäume groß sind, vergehen sicherlich viele Jahre", sagt sie. "Das erleben wir nicht mehr, auch unsere Kinder nicht, vielleicht deren Enkel."
aktualisiert von Torsten Kühne, 12.01.2009, 11:32 Uhr |
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